Der ALB aus Albstadt

Der ALB aus Albstadt - Sympathieträger Nummer 1 in der Stadt

(Beide ALB Grafiken. Quelle: www.albstadt.de,
Dörnemann-Design, Neuss)

Ist er nicht einfach wunderbar? Liebenswert - wie unsere Stadt - und muß ihn nicht einfach jeder in sein Herz schließen? Wohl an, gut dem Dingen. Wenn es denn so sein soll, dann werden wir Albstädter uns das zu Herzen nehmen. Identifizieren wir uns also mit einem gefiederten Chamäleon, dessen bunte Kleider sicherlich nicht von der Stange sind.

Früher, als wir noch keine Identitätsfigur in Albstadt hatten, da war das Leben trist auf der Alb. Wir hatten eine gut gehende Metallindustrie hier oben, wir hatten eine Textilindustrie, die uns Wohlstand und Bekanntheit in vielen Teilen Europas einbrachte, aber uns hatte immer etwas gefehlt. Da war immer eine Leere im Bauch und immer ein kleines Vakuum hinter unserem Kleinhirn. Es fehlte uns schlicht an Lebensqualität. Es fehlte uns ein Bezugspunkt zu unserer Heimat. Er fehlte uns! Der ALB war nicht da!
Endlich gibt es eine Erklärung für unsere jahrzehntelang andauernde Orientierungslosigkeit. Jetzt haben wir den Grund für den Niedergang des Wirtschaftstandorts Albstadt endlich gefunden. Wir hatten die Identifizierung mit der Stadt in der wir leben verloren.
Da verwundert es selbstverständlich nicht, daß die junge Albstädter Bevölkerung im arbeits- und heiratsfähigen Alter nahezu völkerwanderungsartig Stadtflucht begangen hat. Ja hätten sie den ALB gekannt - dann wären sie natürlich geblieben. Dann hätten sie den Arbeitgebern und den Schwiegereltern in den Metropolen sagen können "Seht mal, der ALB! Das ist mein Zentrum. Der gibt mir Kraft. Ich brauche meine Heimat nicht zu verlassen!". Was hätte aus Albstadt werden können, wenn wir den ALB schon früher gehabt hätten?

Jetzt ist der Albatross ja schon ein possierliches Kerlchen. Der AlbatrossMeist hockt die schwere Möwe träge auf ihrem Nest oder versucht ihrem Nachbarn ein Bier oder eine Kippe abzuschnorren. Falls er es doch mal schafft abzuheben, streift er elegant durch die Lüfte. Das kann er im Gegensatz zu uns Menschen doch recht gut. Was er allerdings nicht kann, ist das Landen. Bestimmt hat jeder schon einmal die Bilder von den kontrollierten Abstürzen der behenden Albatrosse gesehen. Eine Augenweide! Das dumme Vieh scheint sich ja jedesmal fast den Hals zu brechen.
Soso - Dieser Trottel der Lüfte ist also jetzt meine Identifikationsstütze. Aha. Ein Vorbild für mich und alle hier verbliebenen Albstädter.
Ja warum das denn? Was haben wir denn gemeinsam? Das kleine Hirn? Den fetten Bauch? Den Hang zu Abstürzen, sprich Niedergängen? Oder etwa nur die drei Buchstaben "A", "L", "B"?

Waren diese drei Scherzbolde etwa Antrieb genug für einen verstrahlten Kreativschädel uns Albstädter mit einer tolpatschigen Comicfigur mit Hang zu aberwitziger Kleidung zu verwöhnen? Reichen drei Buchstaben, um ahnungslose Provinzler aus der ausreichender Entfernung einer rheinischen Urbanität mit einem albernen Malkastenvogel zu beleidigen?
Vielleicht haben wir ja mit dem ALB noch Glück gehabt. Ein minderbemittelter Designer hätte die drei schlimmen Buchstaben vielleicht im Wort KALB gefunden (wobei diese Lebensform wenigsten hier oben zu finden ist). Oder er wäre der Rechtschreibreform mächtig gewesen und wäre auf den ALBtraum gestossen. Aber dann hätte er seine Kreativität doch wesenttlich stärker zur Entfaltung bringen können, oder etwa nicht? Oder OrALBefriedigung hätte doch auch die eine oder andere Interpretation des Themas zugelassen. VaginALBeschickung, AnALBegierde..... Das wären doch Möglichkeiten! Da könnte man doch was daraus machen!
Was glaubt ihr, wer sich damit nicht identifizieren könnte???

Bisher war ja alles noch ganz harmlos.
Der alberne ALB prangte nur auf den neu angeschafften Niederflubussen des ÖPNV. Der ALB kann spagat!Er grinste uns zwar an wie ein bescheuerter Bodenturner, der sich beim Spagat die Eier abgerissen hat, blieb aber in unaufdringlicher Entfernung zu uns Bürgern. Mit der offiziellen Präsentation des natürlichen Bruchpilotens änderte sich die Sachlage allerdings gewaltig. Auf einmal wurde die olle Papageienschwuchtel persönlich. Jeder sollte auf einmal den "liebenswerten" Hausvogel eines an parkinsonscher Krankheit leidenden Hobbyölmalers "in sein Herz schließen". Ein mit Farbe vollgekleckerter Albatross als "neue Sympathiefigur" der Stadt Albstadt.
Und damit auch wirklich jeder auf der Welt sehen kann, mit was für armseeligen Idolen sich Albstadt identifiziert "führt" diese vermeintlich kreative, ornithologische Mißgeburt auch noch durch die neue Homepage Albstadts.

Na! ALB sei Dank!

Irrtümlicherweise war ich lange der Ansicht, der ALB wäre auf dem Mist eines Albstädter Künstlers ausgebrütet worden. Ich war der irrigen Meinung, die Stadt hätte sich nach der Errichtung der Xingles darauf besonnen, auch die lokal arbeitenden Künstler mehr in die Gestaltung des Stadtbildes der Stadt einzubinden. Dann hätte ich bestimmt nicht eine so große Abneigung gegen unseren neuen Botschafter gehabt. Als ich aber begriffen habe, daß dieser kleine Racker eine Auftragsarbeit an eine Agentur fern der Schwäbischen Alb war, bekam ich doch ein leicht entleerendes Gefühl hinter meiner Stirn. Der bunte Piepmatz hat richtig Geld gekostet.
Es geht mir gar nicht darum wieviel, es ist nur traurig wenn solche Verfehlungen der Natur auch noch gegen Honorar eingekauft werden.

Ein wahrhaft "freches, schlaues - und ganz einfach märchenhaftes Geschöpf" vertritt nun würdig und weltweit unsere Heimat. Da kann ja nur alles besser werden...

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