Dieses Referat schrieb ich im Frühling 1997 für meinen Lehrschein. Da sicherlich jeder DLRGler einmal für den theorethischen Unterricht einige Infos benötigen kann, ist dieser Text frei kopier-  und verwendbar, allerdings nur unter Nennung des untenstehenden Copyrights auf jeder Seite.

 

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Inhaltsverzeichnis

 

1. Einleitung

 

2. Zusammensetzung des Blutes

2.1. Zelluläre Bestandteile des Blutes

2.1.1. Die roten Blutkörperchen

2.1.2. Die weißen Blutkörperchen

2.1.3. Die Blutplättchen

2.2. Gelöste Bestandteile des Blutes

2.3.Die Blutgruppen und der Rhesusfaktor

 

3. Funktion des Blutes

3.1 Der Stofftransport

3.1.1.Der Gastransport

3.1.2.Der Nähr- und Abfallstofftransport

3.2.. Die Blutgerinnung

3.3. Abwehrmaßnahmen des Blutes

3.4. Die Regulationsfunktion des Blutes

 

4. Schlußwort

 

5. Quellennachweis

 

 

 

 

1. EINLEITUNG

Eine der wichtigsten Maßnahmen die wir in der DLRG lernen, um Leben zu retten, ist die Herz - Lungen - Wiederbelebung. Dabei übernimmt der Retter die Atmung (Atemspende) und die Arbeit des Herzens (Herzdruckmassage), indem er mittels manueller Kontraktionen den Blutfluß durch den Körper zu erhalten sucht. Was ist nun an unserem Blut so besonders, daß der Mensch nach wenigen Minuten Kreislaufstillstand bereits irreparabel geschädigt ist? Zur Klärung dieser Frage werde ich auf den nächsten Seiten die Zusammensetzung und die Aufgaben des Blutes erläutern.

 

2. ZUSAMMENSETZUNG DES BLUTES

                            

Der Mensch besitzt etwa 4 - 6 l Blut. Das Blut selbst ist ein Gemisch aus unterschiedlichen Stoffen, deren Verhältnisse in folgendem Schaubild schematisch dargestellt sind:

2.1. ZELLULÄRE BESTANDTEILE DES BLUTES

 

Die roten Blutkörperchen

Die roten Blutkörperchen ( Erythrozyten), sind kreisrunde, auf beiden Seiten etwas eingedellte, scheibenförmige Zellen mit einem Durchmesser von etwa 7 mm ( 1 mm = 1/1000 mm) . Pro mm³ Blut gibt es etwa 4,5 - 5 Millionen Erythrozyten.Sie sind elastisch und verformbar, so daß sie durch die engen Haargefäße ( Kapillaren ) gelangen können. Die roten Blutkörperchen       bestehen aus einer semipermeablen Hülle gefüllt mit Hämoglobin (dem roten Blutfarbstoff) als Träger des Sauerstoffs.       Dessen Aufgaben sind:

 

a)

Transport des Sauerstoffs

b)

Transport eines Teils der Kohlensäure

c)

Regulation der Blutreaktion

 

 

Sie transportieren chemisch gebunden etwa 97% des Sauerstoffs. Das Kohlendioxid wird gelöst als Kohlensäure zu Lunge zurücktransportiert. Die Erythrozyten werden in den Stammzellen des Knochenmarks der platten Knochen und Wirbel gebildet. Sie reifen über mehrere Zwischenstadien heran und verlieren ihren Zellkern, bevor sie in die Blutbahn eintreten. Damit sind sie nicht mehr vermehrungsfähig. Nach einer etwa 120 - tägigen Lebensdauer sind die Erythrozyten durch mechanische Beanspruchung in den Gefäßen verbraucht und werden vor allem in Milz, Leber und Knochenmark abgebaut.

 

Die weißen Blutkörperchen

Im Gegensatz zu den Erythrozyten sind die stets kernhaltigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) formlos. Sie dienen der körpereigenen Abwehr und lassen sich nicht nur im Blut treiben, sondern sind zu amöboider Eigenbewegung fähig. Nur etwa 5% aller Leukozyten findet man im strömenden Blut, der Rest ist mit der Abwehr von Fremdkörpern, der Bildung von Antikörper und dem Abbau von Gewebe beschäftigt. Deshalb finden sich nur 5.000 - 9.000 pro mm³ Blut. Gebildet werden die weißen Blutkörperchen in den Lymphknoten, Milz und im Knochenmark. In der Medizin werden sie in mehrere Untergruppen eingeteilt und klassifiziert, je nach Spezialisierung der einzelnen Zelle. Dies näher zu erläutern würde aber den Rahmen dieses Referates sprengen.

 

Die Blutplättchen

Die Blutplättchen ( Thrombozyten) sind keine echten Zellen, sondern Bruchstücke von Knochenmarksriesenzellen. Sie sind farblos, scheiben- bis spindelförmig und im Gegensatz zu den anderen zellulären Bestandteilen des Blutes recht klein (0,5 - 2,5 mm). Nach einer Lebensdauer von etwa 10 Tagen werden sie in der Milz abgebaut. Bei der Blutstillung spielen sie eine wichtige Rolle.

 

2.2 GELÖSTE BESTANDTEILE DES BLUTES

Im Blutplasma sind eine Unmenge verschiedenster Stoffe enthalten. Eine Auswahl der wichtigsten sind in der untenstehenden Tabelle erwähnt.

organische Substanzen anorganische Substanzen Reststickstoff
Fette Kochsalz Harnstoff
Kohlenhydrate Natrium Aminosäuren
Eiweiß Kalium Kreatin
Cholesterin Phosphate Harnsäure
Fibrinogen Magnesium Bilirubin

 

 

Nicht enthalten in der Tabelle sind die Botenstoffe, deren wichtigste Vertreter die Hormone, Fermente und Enzyme sind.

Auch verschiedene Gase, z.B. 1,5% des Sauerstoffs sind im Blut gelöst.

 

2.3. DIE BLUTGRUPPEN UND DER RHESUSFAKTOR

Das Blut wird in 4 verschiedene Blutgruppen mit 2 verschiedenen Rhesusfaktoren unterteilt. Die Kenntnis der jeweiligen Blutgruppe einer Person ist in dem Moment wichtig, wenn aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls eine Bluttransfusion nötig ist. Würde man einem Patienten eine Bluttransfusion verabreichen, die in Blutgruppe und Rhesusfaktor nicht seinem eigenen identisch ist, sind schwere Gegenreaktionen des Immunsystems zu erwarten. Sind keine gruppengleichen Transfusionen vorhanden, wird bisweilen auch eine Transfusion mit der Blutgruppe 0 gelegt, da 0 keine - wie unten beschrieben - Antigene besitzt, allerdings erst nach eingehenden Tests und Ausschöpfung aller Alternativen.

Die Blutgruppen werden durch Proteine bestimmt, die auf der Oberfläche der Erythrozyten als Antigene (= Stoffe, die im Körper eine spezifische Immunreaktion auslösen können) wirken.

Blut mit dem Antigen A besitzt die Blutgruppe A.

Blut mit dem Antigen B besitzt die Blutgruppe B.

Besitzen die Erythrozyten beide Antigene, so ist die Blutgruppe AB und besitzen sie keine, so ist die Blutgruppe 0.

Hinzu kommt noch, daß es im Blutplasma Antikörper gegen diejenigen Antigene (A oder B) gibt, die auf den eigene Erythrozyten nicht vorhanden sind. Blut der Blutgruppe A besitzt z.B. die Antikörper "anti-B" allerdings keine "anti-A" Antikörper, sonst würde es auf das eigene Blut reagieren.

Bringt man nun Blut mit verschiedener Blutgruppen miteinander in Berührung, zeigt sich die Reaktion der Antikörper auf das fremde Blut als Verklumpung der roten Blutkörperchen, in der Medizin als Agglutination bezeichnet.

Blutgruppe:

A

B

AB

O

Antigen der Erythrozyten:

A

B

AB

keines

Antikörper im Plasma:

anti - b

anti - A

keine

anti - A u.

anti - B

Häufigkeit in Mitteleuropa:

ca. 46%

ca. 7%

ca. 4%

ca. 43%

 

 

 

 

 

 

Zu dieser Einteilung des Blutes gibt es noch eine weiter Immunreaktion, nach der das Blut in rhesus-positiv (rh+) und rhesus-negativ (rh-) eingeteilt wird.

Die Bestimmung dieses Faktors ist komplizierter und abstrakter als die Bestimmung des AB0 - Systems, deshalb beschränke ich mich auf den Hinweis, daß etwa 85% der Menschen rhesus-positiv sind, und die restlichen 15% rhesus-negativ. Wird einem Menschen eine Transfusion mit dem körperfremden Rhesusfaktor gelegt, so folgt beim ersten mal noch keine Immunreaktion. Allerdings werden Antikörper gegen das fremde Blut gebildet, die im Falle eines weiteren Kontaktes mit dem fremden Rhesusfaktor zu folgenschweren Komplikationen führen können.

 

3. FUNKTION DES BLUTES

Das Blut erfüllt eine lebenswichtige Aufgabe in menschlichen Körper, indem es dem Gewebe durch sein feinstverzweigtes Gefäßnetz Nähr- und Betriebsstoffe zuführt und Abfallstoffe und Endprodukte ableitet. Daher gibt es nur zwei Organe des Körpers, die über keine Blutgefäße verfügen, nämlich die Hornhaut des Auges und die Herzinnenhaut.

Die hochentwickelten Zellen des Gehirnes wären nach 5 Minuten Blutleere bereits irreparabel geschädigt, während die Muskulatur Blutleere einige Stunden tolerieren kann.

Auf den folgenden Seiten werde ich die wichtigsten Funktionen des Blutes erläutern:

 

3.1. DER STOFFTRANSPORT

 

3.1.1.Gastransport

Wie schon bei der Erklärung der zellulären Bestandteile angesprochen wurde, ist das Blut für den Gastransport zwischen der Lunge und den Körperzellen zuständig. Diese Aufgabe meistert das Blut durch das eisenhaltige Eiweiß Hämoglobin in den roten Blutkörperchen , welches in der Lage ist Sauerstoff gleichermaßen wie Kohlendioxid zu binden und zu seinem Bestimmungsort zu transportieren. Das Blut transportiert 97% des Sauerstoffs an das Hämoglobin gebunden und weiter 1,5 % im Blutplasma. Das Blut eines Menschen besitzt etwa 750 g Hämoglobin, 1g Hämoglobin ist in der Lage, etwa 1,34 ml Sauerstoff zu binden. Bei normalem atmosphärischen Druck ist die Sauerstoffsättigung praktisch maximal. Sogar das Zuführen von reinem Sauerstoff würde den Blutsauerstoffspiegel kaum mehr weiter steigern. Die Gefahr bei reinem Sauerstoff liegt aber in einem Ansteigen des Kohlensäurespiegels. Deshalb darf nur ein Arzt reinen Sauerstoff verabreichen, wir als Ersthelfer nicht. Sauerstoffreiches Blut ist von hellroter, während sauerstoffarmes Blut hingegen von dunkelroter Farbe ist.

 

3.1.2. Der Nähr- und Abfallstofftransport

Eine weiter Aufgabe des Blutes besteht darin, den gesamten Organismus mit Nährstoffen zu versorgen und Abfallstoffe zu entsorgen. In den Verdauungsorganen gehen die Nährstoffe aus dem Verdauungsbrei in die Blutbahn über. Diese Stoffe (z. B.: Eiweiße, Aminosäuren, Fette etc.) wandern im Blutplasma gelöst durch den Blutkreislauf und werden schließlich von den Zellen zur Energieverwendung oder Gewebebildung verwendet. Abfallstoffen die in den Zellen anfallen gehen wieder ins Blut über, werden in der Niere ausgewaschen und schließlich über den Urin ausgeschieden.

3.2.DIE BLUTGERINNUNG

Nach der Verletzung eines Blutgefäßes heften sich die Thrombozyten an die verletzten Gefäßränder, verkleben und bilden einen Blutpropf.Durch verletzte Gefäßzellen außerhalb des Gefäßes und durch die Thrombozyten werden Gerinnungsfaktoren im Blutplasma aktiviert, die die Blutgerinnung in Gang setzen. Hierbei wird im Laufe mehrerer komplizierter chemischer Reaktionen das Fibrinogen des Blutplasmas zu Fibrin umgewandelt, welches ein aus feinsten Fasern bestehendes Netz bildet. Dieses vernetzt den durch die Blutplättchen gebildeten Blutpropf und verleiht im seine endgültige Festigkeit. Bei einem Menschen, der an der erblich bedingten Bluterkrankheit leidet, sind einer oder mehrere derGerinnungsfaktoren ausgefallen. Daher kommt es zu keinem Wundverschluß und selbst scheinbar unbedeutende Verletzungen führen zum Verbluten.

 

3.3.ABWEHRMAßNAHMEN DES BLUTES

Da das Blut durch den ganzen Körper fließt, sind in ihm auch wesentliche Verteidigungskörper und Abwehrsubstanzen enthalten, die von unserem Immunsystems gebildet werden. Man unterscheidet zwischen der unspezifischen und der spezifischen Abwehr.

zur unspezifischen Abwehr:

Die wichtigsten Zellen im Dienst der unspezifischen Abwehr sind die Mikro- und Makrophagen (kleine - und große Freßzellen) die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Sie haben die Fähigkeit, Krankheitserreger in sich aufzunehmen und dadurch für den Körper unschädlich zu machen. Die Freßzellen gehen daraufhin ein und werden als Eiter ausgeschieden. Darüber hinaus findet man noch in allen Körperflüssigkeiten - also auch im Blut - Substanzen, die auf bestimmte Krankheitserreger, z. B.: Bakterien und Viren schädliche und hemmende Einflüsse haben.

 

zur spezifischen Abwehr:

Die unspezifische Abwehr wird noch durch die spezifische Abwehr unterstützt. Wenn der Körper mit einem Krankheitserreger (Antigen) in Kontakt gekommen ist, kann er Antikörper bilden, die in der Lage sind sich an den Krankheitserreger anzuhängen und ihn zu blockieren. Da die meistenAntigene wie z.B.: Viren eine bestimmte Form haben, muß das Immunsystem einmal mit dem Erreger in Kontakt gekommen sein, um einen Antikörper mit der entsprechenden Struktur zu konstruieren. Diese Struktur merken sich spezielle Gedächtniszellen für den Fall einer weiteren Infektion mit diesem Krankheitserreger und kann dann rasch neue Antikörper herstellen, die den Erreger oft so schnell und wirkungsvoll hemmen, daß eine weiter Infektion nicht einmal mehr als Krankheit ausbricht. Diesen Vorgang nennt man Immunisation. Das manche Krankheiten, wie z.B. AIDS nicht vom Immunsystem bezwungen werden können, liegt daran, daß diese Virenart (Retroviren) ihre Form ändern können und zusätzlich noch die antikörperbildenden Zellen befallen.

 

3.4.DIE REGULATIONSFUNKTION DES BLUTES

Da das Blut den ganzen Körper zu einer Funktionseinheit verbindet, reguliert es auch den Wasser-, Salz- , Wärme - und Elektrolytenhaushalt des Körpers. Diese Stoffe sind im Blut gelöst. Wird ein Körperteil oder Organ stärker als gewöhnlich beansprucht, z.B. beim Schwimmen oder Retten, dann erfolgt automatisch eine verstärkte Durchblutung dieses Körperteiles um die arbeitende Muskulatur mit mehr Nährstoffen, Wasser und Salzen zu versorgen.

Auch die gleichmäßige Wärmeverteilung im Körper wird durch das Blut ermöglicht. Es leitet die überschüssige Körperwärme aus dem Rumpf in die stärker auskühlenden Extremitäten ab.

Ebenfalls die Hormone werden durch das Blut im Körper verteilt, auf diese Art und Weise ist es dem Körper möglich in Verbindung mit dem Nervensystem, die Leistung aller Organe den Umständen optimal anzupassen.

 

5. SCHLUßWORT

Ich hoffe, daß es mir gelungen ist, die Zusammensetzung und Aufgaben des Blutes klar und leicht verständlich darzulegen. Ein Verzeichnis der verwendeten Literatur ist beigelegt.

 

 4. Quellenverzeichnis

Um dieses Referat zu verfassen, habe ich folgende Bücher und Nachschlagewerke zu rate gezogen:

  

Kohlhammer Studienbücher Innere Medizin I
Wasserwacht des BRK Rettungsschwimmen
Schütz / Rothenschuh Bau und Funktion des menschlichen Körpers
DRK Handbuch für den Sanitätsdienst
DLRG Ausbilderhandbuch Teil C
Schubert Fachkunde für Arzthelferinnen
Gymnasium 11./12. Klasse private Aufzeichnungen

 

(c) 1997 Björn Penning

 

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