Projektbericht - Schulen ans Netz (Einstiegsprojekt)

der Anne-Frank-Förderschule, Ilbenstraße 16-18, 78120 Furtwangen

Die Idee zur Teilnahme am Einstiegsprojekt entstand aus den Überlegungen eines computer-
interessierten und -erfahrenen Schulleiters. Da der Antrag bei der 1. Ausschreibung nicht
angenommen wurde, wurde beim 2. Versuch nur ein Gebührenguthaben beantragt,um so eventuell
größere Chancen einer Projektgenehmigung zu haben.
Dem 2. Projektantrag wurde dann auch stattgegeben.
 

Ausstattung:

In der Zwischenzeit wurden auch für die Klasse 7-9  4 gebrauchte Rechner angeschafft
(2 x 486 DX 2-66 und 2 x Pentium 60 ( mit jeweils CD-Laufwerk, aber ohne Soundkarte)
und im Klassenzimmer untergebracht.
Die Rechner wurden nachträglich mit Netzwerkkarten ausgerüstet und mittels eines Win 95 bzw. Win 3.11-Netzwerkes vernetzt.
Als Provider diente anfangs ein örtlicher Anbieter (Swol.DE), da dieser mittels Modem (33.600 bps) einen Zugang gestattete (Die ISDN-Leitung war noch nicht gelegt).
Damit man von allen Rechnern gleichzeitig ins Internet konnte, wurde auf dem Rechner mit Modemanschluß eine spezielle Software (Nearsite) installiert, die als sogenannter “Software- Proxy” (http-proxy-server) funktionierte. So erhielten wir eine äußerst kostengünstige Lösung für den Zugang mit 4 (alten) Rechnern, die im Laufe der Zeit auf insgesamt 6 Rechner erweitert wurden.
 

Projektidee und Inhalte:

Aus den dargestellten situativen Bedingungen ist die folgende übergeordnete, das Projekt
determinierende Zielvorstellung abzuleiten.
Die Schüler sollen mit den aktuellen Möglichkeiten der Telekommunikation selbstbewußt, sachkompetent, zielbewußt und kritisch umgehen lernen.
Konkrete Teilziele im Sinne von Handlungskompetenzen sind:


-Emails schreiben

Neben der Vermittlung der praktischen Techniken steht die Förderung der Motivation zur schriftlichen Kommunikation. Da viele unserer lernbehinderten Schüler bis zum Schulabschluß (Kl.9) große Probleme beim Lesen und Schreiben haben, sind sie verständlicherweise nicht sehr motiviert, sich schriftlich auszudrücken. Die bisherige Arbeit mit Testverarbeitungsprogrammen am PC hat gezeigt, daß dieser die Schüler vermehrt zum Lesen und Schreiben motiviert. Die Kontakte über e-mails mit anderen Schülern im Netz soll dies noch verstärken.
 

-Internetsuchdienste nutzen

Es war geplant, den nächsten Schullandheimaufenthalt in Italien in der Toskana zu verbringen. Über Suchdienste wurden Informationen über die Gegend (Pisa, Lucca, Florenz, ..) und deren Sehenswürdigkeiten gefunden und gesammelt . Über Email wurden Infos und Materialien von Fremdenverkehrsunternehmen angefordert und Kontakte geknüpft werden. So konnten Ausflüge vorher gemeinsam vorbereitet werden und die Schüler lernen die Kultur und Eigenheiten des Landes kennen.
- Durch eigenes Herstellen von homepages in Kleingruppen konnten sich die Schüler nach außen
hin darstellen. Das ist für unsere lernbehinderten Kinder und Jugendlichen äußerst wichtig, da diese häufig sehr zurückgezogen und isoliert sind.
Die Erstellung der homepages soll wurde zunächst auf Darstellung mittels eines Bildes und Textes zur Person beschränkt. (Für die Zukunft ist auch an eine “Ausgestaltung” der Seite gedacht, würde aber am Anfang noch zu weit führen.) Hierbei sind die Vorerfahrungen bei der Textverarbeitung nützlich.
 

Projektbericht:

Die Projektgruppe bestand aus 11 Schülerinnen und Schülern einer kombinierten Klasse 7-9.
Die Arbeit am PC wurde in den normalen Unterricht integriert und teilweise auch als AG durchgeführt.
Viele hatten schon Erfahrungen mit Textverarbeitung und Lernsoftware.
Zunächst wurden alle in den Auffbau und die Struktur des Internets eingeführt. Anhand von
Offline-CDs wurde der Umgang mit dem Browser (Netscape 3.x) geübt (keine Online-Gebühren!!!).
 

Email:

Mittels des Schulwebs wurden andere Schulen gesucht, mit denen man evtl. über Email in Kontakt treten könnte. Dazu wurden verschiedene Schulen (Förderschulen, Hauptschulen) ausgesucht und angeschrieben. Leider war die Resonanz mehr als dürftig. Es kamen nur wenige mails zurück und es baute sich kein intensiver Kontakt auf.
Außerdem wußten die Schülerinnen und Schüler recht schnell nicht mehr, was sie eigentlich schreiben könnten. Die Motivation zum Email-Kontakt sank rapide.
Das änderte sich schlagartig, als mit einem Kollegen aus einer anderen Schule (Schule für Körperbehinderte) die auch gerade frisch im Netz war, folgendes Email-Projekt ins Leben gerufen wurde:
Jeder Schüler schreibt jeden Tag 1 Mail.
Das Ganze ist zunächst auf 1 Woche begrenzt.
Themen sind: - sich vorstellen
  - Fußball, Sport
  - Musik

Die zeitliche Begrenzung machte das Ganze für die Förderschüler überschaubarer. Die Festlegung auf 1 Mail pro Tag stellte sicher, daß man auch selbst, immer wieder Post erhielt.
Die Themen trafen voll das Interesse der Jugendlichen, da diese ihren unmittelbaren eigenen Interessen entsprachen.
Dieser Emailkontakt dauerte dadurch intensiv mehrere Wochen, und blieb (weniger intensiv bis zum Ende des Schuljahres bestehen. Motivierende Schreibanlässe waren auch immer wieder kleine Wetten, z.B. zum Thema Fußball (Welches Torverhältnis beim Länderspiel...., Fußball WM-Endergebnis-Wetten). Gerade bei sonst sehr “schreibschwachen” Schülerinnen und Schülern konnte eine deutliche Steigerung der Motivation zur schriftlichen Kommunikation festgestellt werden.
 

Homepage:

Die Homepage der Schule wurde vom Projektleiter erstellt. Sie befindet sich unter
http://www.foerderschule.com.
Gemeinsam wurde der Inhalt der Klassenhomepage erarbeitet, die dann zunächst vom Projekt-
leiter erstellt wurde. (http://privat.swol.de/MichaelLehman/foerderschule/klasse.htm)
Die einzelnen Schülerinnen und Schüler erstellten dann ihre persönlichen homepages bei
http:// www.sis-online.com. Hier war der Vorteil, daß das Erstellen der homepages mittels eines Assistenten leicht von statten ging und der webspace gratis zur Verfügung gestellt wurde.
(Nachteil: Homepages mußten Online erstellt werden.)
Die Adressen der Seiten lauten: http://www.sis-online.com/Schülername.
(Da der Betreiber seinen Dienst zwischenzeitlich eigestellt hat, also SIS- ONLINE so nicht mehr existsiert, stehen die
Seiten jetzt auf einem anderen Server zur Verfügung. Auf der Klassenseite befinden sich Links). Auch Änderungen der Seiten konnten mittels
Assistenten problemlos bewerkstelligt werden. Die homepages beschränken sich i.d.R. in einer
eigenen persönlichen Darstellung mittels Bild und Text. Die homepages waren auch Anlaß zu
Kontakten mittels Email, da andere Jugendliche einzelne Schüler aufgrund von Informationen aus der Seite anschrieben.
 

Internetsuche:

Mittels einzelner Suchdienste wurden Infos über Rock-/Popgruppen und unterrichtlicher
Themen (Indianer, Rauchen) gesucht und gefunden.
Es wurde ein Schullandheimaufenthalt in der Toskana auch durch Informationsbeschaffung aus dem Internet vorbereitet. Die Dokumentation des Aufenthaltes kann man einzelnen Schüler-
homepages entnehmen. Bei der Informationssuche zeigte sich deutlich, daß viele Förder-
schülerinnen und -schüler durch den vielen Text überfordert sind.
Die Fülle an -nicht immer sinnvollen- Informationen im Internet macht eine erfolgreiche Suche im Web sehr zeitaufwendig, sodaß derartige Aktionen i.d.R. gut vorbereitet werden müssen. Die Schüler haben erkannt, daß eine Web-Recherche eine zusätzliche Möglichkeit der Erkenntnis-
gewinnung sein kann.
Hier wären von anderen Schulen und Lehrern an einer zentralen Stelle im Netz gesammelten Informationen hilfreich (z.B. zentrale Stelle für Unterrichtsmedien -http://www.zum.de).
 
 

Ergebnis:

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die neuen Kommunikationstechniken und das Web eine hohe Faszination und Motivation auf alle Schülerinnen und Schüler ausübt. Ihre Teilhabe führt zu einer Stärkung des Selbstbewußtseins, was bei der Situation in unserer Schule sehr deutlich zum Ausdruck kam: Wir waren -unserer Information nach- die erste Förderschule Baden-Württembergs im Netz und lange Zeit die einzige Schule am Ort mit Netzzugang. Und das als Förderschule!

Abschließend möchten wir SaN für die finanzielle Unterstützung danken!

Im Namen aller Nutzer

Michael Lehmann