Die Idee zur Teilnahme am Einstiegsprojekt entstand aus den Überlegungen
eines computer-
interessierten und -erfahrenen Schulleiters. Da der Antrag bei der 1.
Ausschreibung nicht
angenommen wurde, wurde beim 2. Versuch nur ein Gebührenguthaben
beantragt,um so eventuell
größere Chancen einer Projektgenehmigung zu haben.
Dem 2. Projektantrag wurde dann auch stattgegeben.
In der Zwischenzeit wurden auch für die Klasse 7-9 4
gebrauchte Rechner angeschafft
(2 x 486 DX 2-66 und 2 x Pentium 60 ( mit jeweils CD-Laufwerk, aber ohne
Soundkarte)
und im Klassenzimmer untergebracht.
Die Rechner wurden nachträglich mit Netzwerkkarten ausgerüstet
und mittels eines Win 95 bzw. Win 3.11-Netzwerkes vernetzt.
Als Provider diente anfangs ein örtlicher Anbieter (Swol.DE), da
dieser mittels Modem (33.600 bps) einen Zugang gestattete (Die
ISDN-Leitung war noch nicht gelegt).
Damit man von allen Rechnern gleichzeitig ins Internet konnte, wurde auf
dem Rechner mit Modemanschluß eine spezielle Software (Nearsite)
installiert, die als sogenannter Software- Proxy
(http-proxy-server) funktionierte. So erhielten wir eine äußerst
kostengünstige Lösung für den Zugang mit 4 (alten)
Rechnern, die im Laufe der Zeit auf insgesamt 6 Rechner erweitert wurden.
Aus den dargestellten situativen Bedingungen ist die folgende übergeordnete,
das Projekt
determinierende Zielvorstellung abzuleiten.
Die Schüler sollen mit den aktuellen Möglichkeiten der
Telekommunikation selbstbewußt, sachkompetent, zielbewußt und
kritisch umgehen lernen.
Konkrete Teilziele im Sinne von Handlungskompetenzen sind:
Neben der Vermittlung der praktischen Techniken steht die Förderung
der Motivation zur schriftlichen Kommunikation. Da viele unserer
lernbehinderten Schüler bis zum Schulabschluß (Kl.9) große
Probleme beim Lesen und Schreiben haben, sind sie verständlicherweise
nicht sehr motiviert, sich schriftlich auszudrücken. Die bisherige
Arbeit mit Testverarbeitungsprogrammen am PC hat gezeigt, daß dieser
die Schüler vermehrt zum Lesen und Schreiben motiviert. Die Kontakte über
e-mails mit anderen Schülern im Netz soll dies noch verstärken.
Es war geplant, den nächsten Schullandheimaufenthalt in Italien in
der Toskana zu verbringen. Über Suchdienste wurden Informationen über
die Gegend (Pisa, Lucca, Florenz, ..) und deren Sehenswürdigkeiten
gefunden und gesammelt . Über Email wurden Infos und Materialien von
Fremdenverkehrsunternehmen angefordert und Kontakte geknüpft werden.
So konnten Ausflüge vorher gemeinsam vorbereitet werden und die Schüler
lernen die Kultur und Eigenheiten des Landes kennen.
- Durch eigenes Herstellen von homepages in Kleingruppen konnten sich die
Schüler nach außen
hin darstellen. Das ist für unsere lernbehinderten Kinder und
Jugendlichen äußerst wichtig, da diese häufig sehr zurückgezogen
und isoliert sind.
Die Erstellung der homepages soll wurde zunächst auf Darstellung
mittels eines Bildes und Textes zur Person beschränkt. (Für die
Zukunft ist auch an eine Ausgestaltung der Seite gedacht, würde
aber am Anfang noch zu weit führen.) Hierbei sind die Vorerfahrungen
bei der Textverarbeitung nützlich.
Die Projektgruppe bestand aus 11 Schülerinnen und Schülern
einer kombinierten Klasse 7-9.
Die Arbeit am PC wurde in den normalen Unterricht integriert und teilweise
auch als AG durchgeführt.
Viele hatten schon Erfahrungen mit Textverarbeitung und Lernsoftware.
Zunächst wurden alle in den Auffbau und die Struktur des Internets
eingeführt. Anhand von
Offline-CDs wurde der Umgang mit dem Browser (Netscape 3.x) geübt
(keine Online-Gebühren!!!).
Mittels des Schulwebs wurden andere Schulen gesucht, mit denen man evtl.
über Email in Kontakt treten könnte. Dazu wurden verschiedene
Schulen (Förderschulen, Hauptschulen) ausgesucht und angeschrieben.
Leider war die Resonanz mehr als dürftig. Es kamen nur wenige mails
zurück und es baute sich kein intensiver Kontakt auf.
Außerdem wußten die Schülerinnen und Schüler recht
schnell nicht mehr, was sie eigentlich schreiben könnten. Die
Motivation zum Email-Kontakt sank rapide.
Das änderte sich schlagartig, als mit einem Kollegen aus einer
anderen Schule (Schule für Körperbehinderte) die auch gerade
frisch im Netz war, folgendes Email-Projekt ins Leben gerufen wurde:
Jeder Schüler schreibt jeden Tag 1 Mail.
Das Ganze ist zunächst auf 1 Woche begrenzt.
Themen sind: - sich vorstellen
- Fußball, Sport
- Musik
Die zeitliche Begrenzung machte das Ganze für die Förderschüler
überschaubarer. Die Festlegung auf 1 Mail pro Tag stellte sicher, daß
man auch selbst, immer wieder Post erhielt.
Die Themen trafen voll das Interesse der Jugendlichen, da diese ihren
unmittelbaren eigenen Interessen entsprachen.
Dieser Emailkontakt dauerte dadurch intensiv mehrere Wochen, und blieb
(weniger intensiv bis zum Ende des Schuljahres bestehen. Motivierende
Schreibanlässe waren auch immer wieder kleine Wetten, z.B. zum Thema
Fußball (Welches Torverhältnis beim Länderspiel...., Fußball
WM-Endergebnis-Wetten). Gerade bei sonst sehr schreibschwachen
Schülerinnen und Schülern konnte eine deutliche Steigerung der
Motivation zur schriftlichen Kommunikation festgestellt werden.
Die Homepage
der Schule wurde vom Projektleiter erstellt. Sie befindet sich unter
http://www.foerderschule.com.
Gemeinsam wurde der Inhalt der
Klassenhomepage
erarbeitet, die dann zunächst vom Projekt-
leiter erstellt wurde. (http://privat.swol.de/MichaelLehman/foerderschule/klasse.htm)
Die einzelnen Schülerinnen und Schüler erstellten dann ihre persönlichen
homepages bei
http:// www.sis-online.com. Hier
war der Vorteil, daß das Erstellen der homepages mittels eines
Assistenten leicht von statten ging und der webspace gratis zur Verfügung
gestellt wurde.
(Nachteil: Homepages mußten Online erstellt werden.)
Die Adressen der Seiten lauten: http://www.sis-online.com/Schülername.
(Da der Betreiber seinen Dienst zwischenzeitlich eigestellt hat, also SIS- ONLINE so nicht mehr existsiert, stehen die
Seiten jetzt auf einem anderen Server zur Verfügung. Auf der Klassenseite befinden sich Links). Auch Änderungen der
Seiten konnten mittels
Assistenten problemlos bewerkstelligt werden. Die homepages beschränken
sich i.d.R. in einer
eigenen persönlichen Darstellung mittels Bild und Text. Die homepages
waren auch Anlaß zu
Kontakten mittels Email, da andere Jugendliche einzelne Schüler
aufgrund von Informationen aus der Seite anschrieben.
Mittels einzelner Suchdienste wurden Infos über Rock-/Popgruppen
und unterrichtlicher
Themen (Indianer, Rauchen) gesucht und gefunden.
Es wurde ein Schullandheimaufenthalt in der Toskana auch durch
Informationsbeschaffung aus dem Internet vorbereitet. Die Dokumentation
des Aufenthaltes kann man einzelnen Schüler-
homepages entnehmen. Bei der Informationssuche zeigte sich deutlich, daß
viele Förder-
schülerinnen und -schüler durch den vielen Text überfordert
sind.
Die Fülle an -nicht immer sinnvollen- Informationen im Internet macht
eine erfolgreiche Suche im Web sehr zeitaufwendig, sodaß derartige
Aktionen i.d.R. gut vorbereitet werden müssen. Die Schüler haben
erkannt, daß eine Web-Recherche eine zusätzliche Möglichkeit
der Erkenntnis-
gewinnung sein kann.
Hier wären von anderen Schulen und Lehrern an einer zentralen Stelle
im Netz gesammelten Informationen hilfreich (z.B. zentrale Stelle für
Unterrichtsmedien -http://www.zum.de).
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die neuen Kommunikationstechniken und das Web eine hohe Faszination und Motivation auf alle Schülerinnen und Schüler ausübt. Ihre Teilhabe führt zu einer Stärkung des Selbstbewußtseins, was bei der Situation in unserer Schule sehr deutlich zum Ausdruck kam: Wir waren -unserer Information nach- die erste Förderschule Baden-Württembergs im Netz und lange Zeit die einzige Schule am Ort mit Netzzugang. Und das als Förderschule!
Abschließend möchten wir SaN für die finanzielle Unterstützung danken!
Im Namen aller Nutzer