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Inhaltsangabe von Gevatter Tod
Der Junge Mort ist schlaksig und scheint nur aus Gelenken zu bestehen. Trotzdem will sein Vater unbedingt, daß Mort eine
Lehrstelle bekommt. Bei der jährlichen Lehrlingsauswahl wird Mort allerdings von keiner Menschenseele beachtet...allerdings
brauchen auch unmenschliche Wesen, wie zum Beispiel der Tod, einen Lehrling. Obwohl Mort`s Vater das Gefühl hat, daß
an dem neuen Meister etwas nicht stimmt, gibt er Mort in dessen Obhut. In Tod`s Reich angekommen, macht Mort Bekanntschaft mit
Tod`s Diener Albert und Tod`s Adoptivtochter Ysabell. Da sich Tod schon länger darauf freut, seinen ersten freien
Tag seit Anbeginn der Zeit zu nehmen, muß Mort wohl oder Übel für kurze Zeit seine Arbeit übernehmen.
Er muß nun die Seelen der Toten von ihren Körpern trennen. Dummerweise verpatzt er einen Auftrag, weil er Mitleid mit
Prinzessin Keli hat, so daß er nicht sie, sondern ihren Attentäter tötet. Da dies jedoch gegen den
rechtmäßigen Verlauf der Geschichte geht, wird die Prinzessin immer mehr aus der Realität verdrängt.
Mittlerweile hat auch Tod von Mort gelernt und entdeckt die Vorzüge des Feierabends und kümmert sich immer weniger um die Pflicht.
Mort hingegen verwandelt sich immer mehr in seinen Meister. Es bleibt sein Problem mit der Prinzessin und obwohl die Realität ihre
Wunden selbst heilen könnte, macht er seinen zweiten Fehler, indem er die Prinzessin wieder einmal rettet und sie unversehrt in das
Reich des Todes bringt, wo schon sein verärgerter Meister wartet und es zu einem letzten Duell auf Leben und, nun, Tod kommt.
Gevatter Tod erschien bei Heyne. 12,90 DM.
Textausschnitt aus Gevatter Tod
Wie schon öfters versucht Tod die Menschen besser zu verstehen. Um dies zu erreichen, so meint er, müßte er einfach das
Verhalten der Menschen nachahmen.
Der Amtsantritt des Patriziers jährte sich zum zehntenmal; aus diesem Grund hatte er einige Freunde (insgesamt
fünfhundert) auf einen Drink zu sich eingeladen und veranstaltete ein Feuerwerk.
Im Palastgarten ertönten Gelächter sowie ein gelegentliches Stöhnen der
Leidenschaft, und der Abend erreichte gerade sein interesantestes Stadium: Alle
Anwesenden hatten mehr getrunken als für sie gut war - aber noch nicht genug, um
einfach umzufallen. In diesem Zustand ist man zu Dingen fähig, die einem für den
Rest des Lebens die Schamesröte ins Gesicht treiben. Man bläst zum Beispiel
ungeniert in Papiertröten und lacht so laut, daß es einem das Zwerchfell
zerreißt. Rund zweihundert Gäste des Patriziers taumelten und hüpften duch
die sogenannte Schlangenreihe, vergnügten sich mit einem eher sonderbaren
morporkianischen Volkstanz, der nur wenige Bedingungen stellte: Man mußte viel
getrunken haben, den Vordermann - oder die Vorderfrau - an der Taille
festhalten, dauernd kichern und ab und zu laut schreien. Mit ohrenbetäubendem
Gebrüll zog das menschliche Krokodil duch möglichst viele Zimmer (vorzugsweise
durch solche mit zerbrechlichen Gegenständen), und die einzelnen Tänzer gaben
sich große Mühe, in irgendeinem meist individuellen Takt das Bein zu heben.
Dieses bunte Treiben dauerte schon seit einer halben Stunde. Inzwischen hatten
die Feiernden praktisch alle Räume durchquert, und unterwegs schlossen sich
ihnen mehr oder weniger freiwillig weitere Leute an, unter ihnen zwei Trolle,
der Koch, der Oberfolterer des Patriziers, drei Kellner, ein Einbrecher, der
zufällig vorbeikam, und ein kleiner Sumpfdrache. Irgendwo in der
Schlangenmitte wankte der dicke Lord Rodley von Quirm, Erbe des berühmten
Quirm-Anwesens. Derzeit galt seine Aufmerksamkeit in erster Linie den dünnen
Fingern, die ihn an der Taille berührten. Zwar schwamm das Gehirn in einem
hochprozentigen Alkoholbad, aber einige Gedanken befreiten sich lange genug aus
der Anästhesie, um den Sprechorganen einen Befehl zu übermitteln. "Na so
was!" rief er über die Schulter, als sie zum elften mal grölend durch die
riesengroße Küche schwankten. "Bitte nicht so fest." ES TUT MIR
AUSSSERORDENTLICH LEID. "Nichts für ungut, alter Knabe", erwiderte Lord
Rodley, hob das rechte Bein und verlor fast das Gleichgewicht. "Sind wir uns
schon einmal begegnet?" DAS HALTE ICH FÜR UNWAHRSCHEINLICH, WÜRDEST DU MIR
BITTE DIE BEDEUTUNG DIESER SELTSAMEN AKTIVITÄT ERKLÄREN? "Was?" rief Lord
Rodley, um ein Lautes Klirren zu übertönen. Jemand hatte gerade die Tür einer
gläsernen Vitrine eingetreten, und einige andere Leute bejubelten den
Helden. WAS HAT ES MIT UNSERER DERZEITIGEN VERHALTENSWEISE AUF SICH? fragte
die dunkle Stimme mit gletscherner Geduld. "Besuchst Du zum erstenmal eine
Party? Achte auf das Glas!" LEIDER BEKOMME ICH NUR SELTEN GELEGENHEIT AN
FEIERN TEILZUNEHMEN. ICH WÄRE DIR SEHR DANKBAR, WENN DU MIR ÜBER DIESEN VORGANG
AUFSCHLUSS GEBEN KÖNNTEST. HAT ER IRGEND ETWAS MIT SEX ZU TUN? "Solange wir
nicht plötzlich anhalten, besteht keine Gefahr, wenn du verstehst was ich
meine", antwortete der Lord und stieß seinen Hintermann mit dem Ellbogen
an. "Autsch" fügte er gleich darauf hinzu. Weiter vorn deutete lautes Krachen
auf das Ende einer Anrichte mit Dutzenden von kostbaren Tellern
hin. NEIN. "Wie?" ICH VERSTEHE NICHT WAS DU MEINST. "Gib auf die
Schlagsahne acht - man kann leicht auf ihr ausrutschen. Hör mal, es ist nur ein
Tanz, klar? Man vergnügt sich damit, man hat Spaß." SPASS. "Genau. Dada,
dadda, da - und treten!" Seine Lordschaft zögerte. WER IST DIESER
SPASS? "Es handelt sich nicht um einen Wer, sondern um ein Was. Spaß ist ein
Gefühl." UND WIR HABEN SPASS? "Bis eben war ich mir da ziemlich sicher",
erwiderte Rodley von Quirm ungewiß. Die Stimme hinter ihm bereitete ihm vages
Unbehagen: Sie schien inmitten seiner Gedanken zu erklingen. WAS IST
SPASS? "Dies ist Spass!" MAN HAT SPASS, WENN MAN MÖGLICHST KRÄFTIG
TRITT? "Nun, es gehört dazu. Und hoch das Bein!" MAN HAT SPASS WENN MAN
LAUTE MUSIK IN VIEL ZU WARMEN ZIMMERN HÖRT? "Durchaus möglich." WIE MACHT
SICH SPASS BEMERKBAR? "Nun, er... Meine Güte, entweder man hat Spaß oder man
hat keinen. Man braucht niemanden zu fragen; man weiß Bescheid, wenn man sich
vergnügt, klar?" Mit einem Hauch von Argwohn fügte er hinzu, "Wie bist du
überhaupt hierhergekommen? Kennst du den Patrizier?" IN GEWISSER WEISE
ERLEICHTERT ER MIR DIE ARBEIT. ICH BIN STRENGGENOMMEN NICHT EINGELADEN WORDEN
UND NUR GEKOMMEN, UM ZU LERNEN - UM MEHR ÜBER MENSCHLICHE EMPFINDUNGEN
HERAUSZUFINDEN. "Klingt so, als sei das ziemlich mühsam für dich." MAG
SEIN. BITTE ENTSCHULDIGE MEINE BEKLAGENSWERTE UNWISSENHEIT. MEIN EINZIGER WUNSCH
BESTEHT DARIN, INFORMATIONEN ZU SAMMELN, DIE MIR NEUE ERKENNTNISSE ERMÖGLICHEN.
ALL DIE LEUTE HIER - VERGNÜGEN SIE SICH? "Ja!" DANN IST DIES ALSO
SPASS. "Freut mich, daß wir diesen Punkt geklärt haben", brummte Lord Rodley.
"Achtung ein Stuhl!" Fügte er hinzu und fühlte sich plötzlich unangenehm
nüchtern. Die farbigen Nebel unbekümmerter Heiterkeit wichen dem Grau verwirrten
Ernstes. Hinter ihm ertönte erneut die bleierne Stimme. DIES IST SPASS. MAN
HAT SPASS, WENN MAN VIEL TRINKT. WIR HABE SPASS. ER HAT SPASS. DIES IST
IRGENDWIE SPASSIG. WAS FÜR EIN SPASS Hinter Tod hielt sich der kleine
Sumpfdrache des Patriziers mit grimmiger Entschlossenheit an knöchernen Hüften
fest und dachte: Ob Wächter oder nicht - wenn wir das nächste mal an einem
offenen Fenster vorbeikommen, mache ich mich aus dem Staub.
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