Discworld Terry | Bücher | Charaktere | Pics | Wache
home
 
  Cover Klick hier, um zu Amazon.de zu gelangen

Inhaltsangabe von Hohle Köpfe

Wieder ein Krimi, diesmal gepaart mit etwas Mystery (falls so was auf der Scheibenwelt überhaupt möglich ist, denn dort ist ja fast alles Mystery).

Wabernder Herbstnebel hat Ankh-Morpork im Griff. In der Stadt geschehen seltsame Verbrechen. Scheinbar grundlos wurden ein Bäcker und ein Priester umgebracht. Auch der ansonsten unantastbare Patrizier wird vergiftet, überlebt aber. Die Verbrechen ergeben für Sir Samuel Mumm, Kommandeur der Wache, keinen Sinn. Doch dank der stark angewachsenen Zahl von Wächtern ist es ihm möglich, hochmoderne Polizeiarbeit zu leisten, anstatt wie früher das Verbrechen zu meiden. Stück für Stück wird das Puzzle, einem Kriminalroman gleich, komplettiert. Die Spuren füren zu den Golems. Doch diese Geschöpfe sind nicht am Leben und besitzen keinen eigenen Willen...was sie nicht daran hindert, sich plötzlich selber umzubringen. Der Verdacht fällt auf den Kerzenmacher, doch jemand größeres steckt hinter alldem...

Fast schon tragisch endet dieses Buch, es ist nicht ganz so humorvoll, wie man es von Pratchett gewohnt ist, sondern eher nachdenklich, aber trotzdem spannend bis zum Schluß.

Hohle Köpfe erschien bei Goldmann. 18 DM.

Textausschnitt zu Hohle Köpfe

Wegen seines frisch erlangten Reichtums muß sich Samuel Mumm, Kommandeur der Stadtwache, an alle möglichen Veränderungen gewöhnen. Er muß neue Stiefel tragen, durch deren richtige Sohle er die Straße nicht mehr spüren kann, dann wurde ihm eine Sänfte zugestellt, bei der er lieber "selber fährt", doch das nervtötendste ist der "Organizer", welcher immer im unpassendsten Moment klingelt, wie z.B. im folgenden Abschnitt auf Seite 68...

Die ersten Uhren schlugen elf, als Mumms Sänfte vor dem Palast des Patriziers hielt. Die Beine des Kommandeurs drohten nachzugeben, aber er schaffte die fünf langen Treppen trotzdem im Spurt. Im Gästesalon sank er müde auf einen Stuhl. Minuten verstrichen. Man klopfte nicht an die Tür des Patriziers. Er bestellte einen zu sich, in dem sicheren Wissen, daß man wartete. Mumm lehnte sich zurück und genoß die Ruhe. Irgendwo in seiner Jacke erklang ein "Bimm-bumm-bimmel-bimm". Er seufzte, holte ein ledernes Objekt von der Größe eines kleinen Buches hervor und öffnete es. Ein freundliches, aber besorgtes Gesicht sah aus einem kleinen Käfig zu ihm auf.
"Ja?" fragte Mumm.
"Elf Uhr. Vormittag. Termin beim Patrizier."
"Ja? Und? Inzwischen ist es fünf Minuten nach elf."
"Äh", erwiderte der Kobold."Du hast den Termin wahrgenommen, stimmt`s?"
"Nein."
"Soll ich dich weiter daran erinnern?"
"Nein. Übrigens hast du mich nicht darauf hingewiesen, daß man mich um zehn bei den Wappenherolden erwartete."
Der Kobold erschrak.
"Der Termin war doch für Dienstag vorgesehen, oder? Ich hätte schwören können, daß du von Dienstag gesprochen hast."
"Ich bin bei den Wappenherolden gewesen", betonte Mumm. "Vor einer Stunde."
"Oh." Der Kobold wirkte niedergeschlagen. "Äh...na schön. Ähm. Was hältst du davon, wenn ich dir sage, wie spät es in Klatsch ist? Oder in Gennua. Oder in HungHung. Nenn mir irgendeinen Ort - ich kann dir die Uhrzeit nennen."
"Es interessiert mich überhaupt nicht, wie spät es in Klatsch ist."
"Aber vielleicht mußt du es mal wissen", entgegnete der Kobold fast verzweifelt. "Stell dir nur mal vor, wie beeindruckt die Leute sind, wenn du eine Gesprächpause mit den Worten füllst:"Da fällt mir ein, in Klatsch ist es eine Stunde früher." Oder wenn du die Uhrzeit von Bes Pelargic oder Ephebe nennst. Frag mich. Nur zu. Nenn mir irgendeinen Ort."
Mumm seufzte innerlich. Er hatte ein Notizbuch. Darin notierte er sich wichtige Dinge. Und dann schenkte ihm Sybil -mochten die Götter sie segnen- einen mit fünfzehn verschiedenen Funktionen ausgestatteten Kobold. Zehn dieser fünfzehn Funktionen bestanden darin, sich für die Ineffizienz der anderen zu entschuldigen.
"Du könntest eine Notiz aufzeichnen", schlug Mumm vor.
"Donnerwetter! Im Ernst? Meine Güte. In Ordnung. Überhaupt kein Problem."
Mumm räusperte sich. "Mit Korporal Nobbs über Dienst und Grafentitel reden."
"Äh...entschuldige bitte. Lautet so die Notiz?"
"Ja."
"Bitte um Verzeihung, aber du mußt zuerst "Notiz Anfang" sagen. Ich bin ziemlich sicher, daß es so im Handbuch steht."
"Ich werde versuchen, beim nächsten Mal darauf zu achten. Zeichne die Notiz jetzt auf."
"Entschuldigung, aber du mußt sie noch einmal wiederholen."
"Notiz Anfang: mit Korporal Nobbs über den Dienst und Grafentitel reden."
"Alles klar", sagte der Kobold."Soll ich dich zu einem bestimmten Zeitpunkt daran erinnern?"
"Meinst du unsere Zeit hier?" erwiederte Mumm spöttisch."Oder die in Klatsch?"
"Da wir gerade dabei sind:Ich kann dir..."
"Ich glaube, ich schreib`s in mein Notizbuch, wenn du nichts dagegen hast", sagte Mumm.
"Oh, wenn dir das lieber ist...Ich kann auch Handschriften erkennen", verkündete der Kobold stolz."Ich bin ziemlich hochentwickelt."
Mumm holte sein Notizbuch hervor."Auch diese hier?"fragte er.
Der Kobold spähte aus seinem Käfig."Ja, genau, das ist eine Handschrift. Kein Zweifel. Besteht aus Kringeln und Schnörkeln und so. Handschrift, ganz klar."
"Sollst du mir nicht mitteilen, was sie bedeutet?"
"Bedeutet?" wiederholte der Kobold verwundert."Wie kann Gekritzel etwas bedeuten?"
Mumm legte das recht abgenutzt aussehende Notizbuch beiseite und schloß den Deckel des Organizers. Dann lehnte er sich zurück und warete weiter.

 
  up
nach oben