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Inhaltsangabe von Alles Sense!

Gevatter Tod - der Allgegenwärtige und Ewigbeschäftigte - wird plötzlich pensioniert. Dieser skurrile Einfall gerät dem Autor zum Aufhänger für zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Da ist zunächst die Geschichte vom unermüdlichen Arbeitstier, das sich mit dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, nicht abfinden kann. Der arbeitslose Sensenmann begibt sich auf Jobsuche und verdingt sich als Knecht auf einem Bauerngehöft. Doch auch hier sind die beruflichen Aussichten nicht gerade rosig, doch schon erprobt der Dorfschmied den ersten Mäherunddrescher. Der neue Tod hingegen präsentiert sich als angepaßtes Mitglied der modernen Gesellschaft, ein arrogantes Ekel mit ausgeprägtem Hang zur Selbstdarstellung, dem der Stil und das Einfühlungsvermögen seines Vorgängers völlig abgehen. Da entschließt sich der alte Gevatter, das Feld nicht kampflos zu räumen. - Mehr Action bietet der zweite Handlungsstrang. Solange der neue Tod sein Amt nicht angetreten hat, kann niemand sterben; immer mehr Untote jeglicher Couleur bevölkern Ankh-Morpork. Eine Gruppe dieser Wesen rettet die Stadt schließlich vor der Vernichtung durch eine der bedrohlichsten Existenzformen, die je das Licht der Scheibenwelt erblickte: ein riesiges, sich selbst organisierendes Kaufhaus, das in der Lage ist, jeglichen gesunden Menschenverstand zu paralysieren. Im doppelten Showdown unterliegt das Bedrohliche; auf den ersten Blick ein Happy End. Der Status quo bleibt erhalten, Tradition und Individualität siegen einmal noch über die seelenlose Oberflächlichkeit des heraufziehenden Industriezeitalters.

Eine brillante Tragikomödie und vor allem ein sehr erfreulicher Einbruch der Realität ins Ghetto der Fantasy. Intelligente Unterhaltung voller Denkanstöße.

Alles Sense erschien bei Goldmann. 14,90 DM.

Textausschnitt zu Alles Sense!

Auf den Straßen von Ankh-Morpork herrscht ein Verkehrschaos. Feldwebel Colon von der Wache stellt fest, daß der Ursprung des Staus ein Haufen von Zauberern sind, welche ihrem untoten Kollegen Windle Poons sterben helfen, oder es auf Seite 56 zumindest versuchen...

"Was stellt ihr hier an?", fragte er. Es klang nicht mehr ganz so energisch.
"Wie begraben einen Kollegen", antwortete Ridcully. "Wonach sieht´s denn sonst aus?"
Colons Blick glitt zu einem offenen Sarg neben der Straße. Windle Poons winkte ihm zu.
"Aber, äh... er ist nicht tot, oder?" Auf seiner Stirn bildeten sich tiefe Falten, als er versuchte, die Situation zu verstehen.
"Manchmal trügt der Schein", sagte der Erzkanzler.
"Aber er hat gerade gewinkt", entgegnete Feldwebel Colon verzweifelt.
"Na und?"
"Ist es etwas normal, daß Tote..."
"Schon gut, Wachtmeister", ließ sich Windle vernehmen.
Colon schob sich näher an den Sarg heran.
"Habe ich dich gestern abend nicht dabei beobachtet, wie du in den Fluß gesprungen bist?" fragte er.
"Ja", bestätigte Windle. " Und du warst sehr hilfsbereit."
"Und dann bist du die Treppe am Brückenpfeiler hochgeklettert", fügte der Feldwebel hinzu.
"Leider ja."
"Obgleich du eine Ewigkeit lang unter Wasser - im Fluß, meine ich - gewesen bist."
"Nun, dort unten war´s ziemlich finster. Es dauerte eine Weile, bis ich die Treppe fand."
Colon glaubte, aus diesen Worten eine gewisse Logik herauszuhören.
"Nun, ich schätze, du mußt tot sein", sagte er. "Ein Lebender kann wohl kaum so lange am Grund des Ankh verweilen."
"Eben." Windle nickte.
"Andererseits... warum bewegst du dich noch immer? Und warum sprichst du?"
Der Oberste Hirte sah aus dem Loch.
"Es ist durchaus nicht unüblich, daß sich Leichen bewegen und Geräusche verursachen", teilte er dem Feldwebel mit. "Es liegt an Muskelzuckungen und so."
"Der Oberste Hirte hat recht", sagte Windle Poons. "Ich habe irgendwo davon gelesen."
"Oh." Colon sah sich um. "Nun gut", kam er unsicher von seinen Lippen. "Dann scheint ja alles klar zu sein..."
"Das wär´s, wir sind fertig", verkündete der Erzkanzler und kletterte aus dem Loch. "Es ist tief genug. Komm, Windle. Ab nach unten."
"Ich bin wirklich sehr gerührt", sagte Windle und streckte sich im Sarg aus. Es was ein recht guter Sarg und stammte aus der Leichenhalle in der Ulmenstraße. Mustrum Ridcully hatte Windle Poons erlaubt, ihn selbst auszusuchen.
Der Erzkanzler nahm einen Holzhammer.
Windle setzte sich wieder auf.
"Alle geben sich solche Mühe..."
"Ja, ja, schon gut." Ridcully sah sich um. "Und nun...Wo ist der Pflock?"
Die Zauberer blickten zum Quästor.
Der Quästor senkte verlegen den Kopf.
Und griff in seinen Beutel.
"Ich konnte keinen finden", gestand er.
Der Erzkanzler bedeckte seine Augen.
"Na schön", sagte er leise. "Weißt du, ich bin nicht überrascht. Nein, ich bin ganz und gar nicht überrascht. Was hast du bekommen? Lammkoteletts? Vielleicht ein hübsches Stück Schweinefleisch?"
"Sellerie", erwiderte der Quästor.
"Es liegt an seinen Nerven", warf der Dekan ein.
"Sellerie", brummte der Erzkanzler. Seine Selbstbeherrschung war so fest, daß man Hufeisen daran verbiegen konnte. "In Ordnung."
Der Quästor reichte ihm ein gestaltloses grünes Bündel.
"Jetzt hör mal gut zu, Windle", sagte er. "Bitte stell dir vor, dies sei..."
"Ich bin keineswegs enttäuscht", meinte Windle.
"Es dürfte sehr schwer sein, das hier in dich hineinzuhämmern..."
"Es macht mir nichts aus."
"Im Ernst?" "Im Prinzip ist alles bestens", fuhr Windle Poons fort. "Wenn du mir den Sellerie reichst und daran denkst, mir einen Pflock in den Leib zu stoßen... Ich schätze, das genügt."
"Sehr anständig von dir", entgegnete Ridcully. "Damit zeigst du wirklich kollegialen Geist."
"Hochprozentigen Geist?" fragte der Oberste Hirte.
Ridcully bedachte ihn mit einem finsteren Blick, vollführte dann eine recht dramatisch wirkende Geste und gab Windle den Sellerie.
"Nimm das!"
"Danke", sagte Poons.
"Jetzt den Deckel drauf, und dann können wir uns mit einem ordentlichen Mittagessen stärken", sagte Mustrum Ridcully. "Keine Sorge, Windle. Es klappt bestimmt. Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens."
Poons lag in der Dunkelheit, lauschte dem Klopfen und Hämmern. Der Sarg kippte plötzlich und stieß auf den Boden; jemand verfluchte den Dekan, weil er losgelassen hatte. Kurze Zeit später klatschte Lehm auf den Deckel und die entsprechenden Geräusche wurden rasch leiser.
Schließlich deutete dumpfes Poltern darauf hin, daß der Verkehr von Ankh-Morpork wieder rollte. Windle hörte sogar leise Stimmen. Er klopfte an den Sargdeckel.
"Seid nicht so laut!" rief er. "Hier unten versuchen einige Leute, tot zu sein!"

 
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