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Inhaltsangabe von Echt zauberhaft

Ein altes Sprichwort aus dem unserem China nicht ganz unähnlichen Achatenen Reich lautet: "Mögest du in interessanten Zeiten leben", und genau aus diesem Grund ist der deutsche Titel dieses Buches etwas unglücklich gewählt.

Aus besagtem Achatenen Reich erreicht die Zauberer der Unsichtbaren Universität ein Hilferuf. Das Land steht kurz vor dem Zusammenbruch, nur der Große Zaubberer kann noch helfen. Man ist ratlos. Wer ist der Große Zaubberer? Da keiner der ehrenwerten Universitätszauberer bereit ist, das Risiko einer so gefahrvollen und ungewissen Reise auf sich zu nehmen, einigt man sich schließlich auf den armen Rincewind, da er der einzige ist, der sich mangels Anwesenheit nicht wehren kann. Mit einem magischen "Beamstrahl" beamt man ihn nun in das Achatene Reich, ohne daß der Gute davon auch nur die geringste Ahnung hat. Auch weiß er nicht, wo er hin soll und vor allem, was er da soll. Aber schließlich kann er ja in hundert verschiedenen Sprachen "Hilfe" rufen, und so ist er wohl der Geeignetste. Auf seinem ziellosen Weg durch das Reich landet er dann auch recht schnell im Gefängnis und trifft dort auf eben jene Leute, die den Hilferuf nach Ankh Morpork geschickt hatten. Allerdings hat er mit Revolutionen nicht allzu viel am Hut, und so kostet es unsere Untergrundkämpfer eine ganze Portion Überzeugungskraft, bis Rincewind mehr oder weniger bereit ist, ihnen zu helfen. Rein zufällig stoßen sie bei ihren Aktionen auf die wohl unglaublichste Verbrechertruppe der Welt: den uralten Barbaren Cohen mit seiner Grauen Horde, von denen wohl keiner jünger als siebzig ist. Ein bißchen wird Rincewind dann seinem Ruf als Großer Zaubberer dann doch noch gerecht, als er auf der Flucht vor irgend etwas auf eine unterirdische Höhle mit hunderten von tönernen Kriegern stößt, die legendäre Rote Armee. Auch wieder durch Zufall lernt er, diese Tonfiguren zu steuern, und so steht der Revolution gegen der grausamen Tyrannen des Achatenen Reiches nichts mehr im Wege.

Hier wagte Pratchett tatsächlich mal einen Ausflug in die jüngste Vergangenheit, aber das hätte er wohl bleiben lassen sollen. Seine Anspielungen auf sozialistische Diktaturen wirken einfach zu direkt, und lustig ist daran nun wirklich nichts. So passiert es hier schon mal, daß es richtiggehend langweilig wird, und erst im letzten Drittel des Buches gelingt Pratchett mit dem Auftritt Cohens wieder die Rückkehr zur altgewohnten Form.

Echt zauberhaft erschien bei Goldmann. 18 DM.

1. Textausschnitt aus Echt zauberhaft

Angekommen im achatenen Reich, trifft Rincewind auch schon Cohen, einen alten Bekannten wieder. Auf Seite 81 stellt dieser ihm seine Kampftruppe vor, mit der er die verbotene Stadt mit ihren 40.000 Soldaten erobern will...

Der schmale Zugang führte zu einer langen Schlucht mit einigen natürlichen Höhlen, etwas Gras und einer Quelle. Und natürlich mit Cohens Gruppe. Er nannte sie `Horde´. Die Leute saßen in der Sonne und beklagten sich darüber, daß es nicht mehr so warm war wie früher.
"Ich bin zurück, Jungs", sagte Cohen.
"Warst weg, wie?"
"Wasisn? Was hat er gesagt?"
"Er hat gesagt, daß er ZURÜCK ist."
"Ein Stück wovon?"
Cohen sah Rincewind an und strahlte. "Ich hab sie mitgebracht. Wie ich schon sagte: Das individuelle Barbarentum hat keine Zukunft."
Rincewind ließ den Blick über die Horde streifen. "Äh...ist jemand von ihnen unter achtzig Jahre alt?"
"Steh auf, Junger Willie", sagte Cohen.
Ein vertrocknet wirkender Mann stand auf. Er sah nur etwas weniger zerknittert aus als die anderen und trug Stiefel mit sehr dicken Sohlen.
"Damit meine Füße den Boden berühren", erklärte er.
"In...äh...gewöhnlichen Stiefeln sind sie dazu nicht im Stande?"
"Nein. Es ist ein orthopädisches Problem. Du kennst doch sicher Leute, die ein kürzeres Bein haben. Tja, bei mir..."
"Sag´s mir nicht", brachte Rincewind hastig heraus. "Manchmal habe ich erstaunliche Geistesblitze. Bei dir sind beide Beine kürzer, nicht wahr?"
"Bemerkenswert", kommentierte der Junge Willie. "Es wird sofort klar, daß du Zauberer bist. Du kennst dich mit solchen Sachen aus."
Rincewind bedachte das nächste Mitglied der Horde mit einem strahlenden Lächeln. Mit ziemlicher Sicherheit war es ein menschliches Wesen, denn normalerweise benutzten verhutzelte kleine Affen keine Rollstühle oder trugen Helme mit Hörnern. Das Geschöpf erwiederte Rincewinds Blick und schnitt eine Grimasse.
"Das ist..."
"Wasisn? Wasisn?"
"Irrer Polterer", sagte Cohen.
"Wasisn? Was´n los?"
"Der Rollstuhl verbreitet sicher Angst und Schrecken", sagte Rincewind. "Besonders mit den Klingen."
"Es war verdammt schwierig, das Ding über die Felswand zu schaffen", räumte Cohen ein. "Aber er kann damit verblüffend schnell sein."
"Wasisn?"
"Und das ist Kriecher der Unhöfliche."
"Verzieh dich, Zauberer."
Rincewind bewunderte Ausstellungsstück B. "Die Gehstöcke sind wirklich beeindruckend. Vor allem, weil LIEBE und HASS draufsteht."
Cohen lächelte stolz.
"Kriecher gilt als einer der wildesten Burschen auf der Welt", sagte er.
"Ach? Meinst du wirklich ihn?"
"Aber mit Kräuterzäpfchen lassen sich die interessantesten Dinge anstellen", fügte Cohen stolz hinzu.
"Kannst mich mal", brummte Kriecher.
Rincewind blinzelte. "Äh...auf ein Wort, Cohen..."
Er nahm den Barbaren beiseite.
"Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, ein Nörgler zu sein", begann er. "Aber findest du nicht, daß das Verfallsdatum dieser Leute schon seit einer ganzen Weile abgelaufen ist? Um es anders auszudrücken: Hältst du sie nicht für ein wenig...äh...zu alt?"
"Wasisn? Was sachta da?"
"Er meinte, es sei KALT."
"Wasisn?"...

2. Textausschnitt aus Echt zauberhaft

Cohen drehte sich im Sattel. Die Exgefangenen wichen unwillkürlich zurück.
"Ich hab's euch doch gesagt. Ihr seid frei. Verstanden?"
Ein besonders tapferer Mann antwortete: "Ja, Herr."
"Ich bin nicht dein Herr. ich seid frei. Ihr könnt gehen, wohin ihr wollt. Mit einer Ausnahme: Wenn ihr mir weiter folgt, bringe ich euch alle um. Und jetzt...Fort mit euch!"
"Wohin, Herr?"
"Irgendwohin! Weg von hier!"
Die Männer wechselten einen besorgten Blick, drehten sich dann um und liefen über den Pfad.
"Wahrscheinlich kehren sie geradewegs zu ihrem Heimatdorf zurück." Cohen rollte mit den Augen. "Wie gesagt, schlimmer als Peitschen."
Er winkte mit einer dürren Hand, als sie weiterritten.
"Ein seltsames, blutiges Land. Wußtest du, daß das ganze Reich von Mauern umgeben ist?"
"Um...barbarische Angreifer...fernzuhalten."
"Oh ja, eignet sich hervorragend zur Verteidigung", kommentierte Cohen voller Sarkasmus. "Zum Beispiel: Oh, so ein Mist, da ist eine sechs Meter hohe Mauer, wir sollten besser tausend Kilometer durch die Steppe zurückreiten, anstatt uns dort drüben im Wald Holz zu besorgen und Leitern zu bauen. Nein, nein. Die Mauern sorgen dafür, daß die Leute im Reich bleiben. Und Vorschriften. Für alles gibt's welche. Ohne einen Fetzen Papier können die Bürger des Achatenreichs nicht einmal den Abort aufsuchen."
"Nun, um ganz ehrlich zu sein..."
"Ich meinte nicht solches Papier, sondern einen Erlaubnisschein...."
 
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