Auf die Idee, ein Fernthermometer zu basteln, hat mich der Winter 96/97 gebracht. Jedesmal, wenn ich wieder einmal wissen wollte, ob die Frostschutzmischung der Wischwaschanlage unseres Autos angesichts immer neuer Kälterekorde noch standhält, mußte ich meinen PC kurz verlassen(!!!) und das Außenthermometer vor Ort aufsuchen; und das Schlimmste: wieviel kostbare Surfzeit habe ich schon dem oft nutzlosen Kontrollgang zum Thermometer geopfert!

Das müßte einfacher gehen, sagte ich mir, also muß ein Fernthermometer
her. Beim C... bestellen: das kann jeder und was das wieder kostet...
Zudem hatte ich gerade in ein Anzeigeinstrument investiert, in ein
digitales Multi-Meter nämlich. Multi? Ja genau, das ist es! So einem
strom- und spannungsmessenden Alleskönner könnte man doch eine tägliche
Aufgabe verpassen: Temperatur-Messen.
Was braucht man dazu ? Mal überlegen:
Temperaturfühler, Kabel, klar. Ein Problem war da noch: Wie bringe ich
dem Ohm-Meter bei, die Temperatur in Grad anzuzeigen? Genau: Meßbrücke
heißt die Lösung!
Die sieht so aus:
| Berechnung zweier Widerstände zur Projizierung
| der Kennlinie eines linearen PTC auf eine
+-------+-------+ Wunschkennlinie.
| |
| ! +++ Gemessene Temperatur soll dem Ohmwert über 2000
| ! | | entsprechen, dividiert durch 10.
| ! | | R2
+++ +++ | |
| | ! ! +++
R1 | | !RE 1,2 |
| | ! ! +++/
+++ +++ | | Gegeben: Unterer PTC-Wert RT1 bei 0 Grad
| ! |/| RT 1,2 Oberer PTC-Wert RT2 bei 37 Grad
| ! | |
| ! /+++ PTC Unterer Ersatzwid. RE1 z.B. 2000 Ohm
| | Oberer Ersatzwid. RE2 z.B. 2370 Ohm
+-------+-------+
| Gesucht: R1 und R2
Der Temperarurfühler RT ist ein sog.
"PTC"-Widerstand, ca 2K Ohm bei 0 Grad, der im Bereich +/-25 Grad
möglichst linear sein und seinen Wert pro Grad Temperaturzunahme
mindestens um 15 Ohm erhöhen sollte. Der Widerstand R1 sorgt
für die Steigung der Soll-Meßkennlinie, R2 ist für den Offset
zuständig. RE ist nicht wirklich vorhanden, er ist der errechnete
Ersatzwiderstand der Meßbrücke. Das Problem war nur noch: wie finde ich
die Werte für R1 und R2 ?
Genau: durch Berechnen. Nach langem Grübeln führten dann zwei
Gleichungen mit zwei Unbekannten über eine gemischt-quadratische
Gleichung zum Ziel - lang, lang ist's her. Aber der Reihe nach: Um
unsere Meßbrücke abzugleichen, brauchen wir den PTC-Wert für 2 bekannte
Temperaturen: sinnvoll ist Eiswasser für Null Grad (unterer
PTC-Wert =rt1) und die eigene Körpertemperatur 37 Grad
für den oberen PTC-Wert =rt2. Diese beiden Eckwerte sollen einem
Anzeigewert von re1=2000 Ohm (Null Grad) und re2=2370
Ohm (37 Grad) entsprechen. Dann brauchen wir später nur 2000 vom
Anzeigewert abzuziehen und können so die augenblickliche Temperatur
sogar in Zehntel-Grad ablesen!
Auf der Abbildung oben zeigt das Instrument 2013 Ohm an, das entspricht 1,3 Grad.
Und hier ist sie endlich, die Berechnungsformel für die gesuchten Widerstände R1 und R2:
r2 = (SQR(((rt1 + rt2) ^ 2) - 4 * ((rt1 * rt2) + ((rt1 - rt2) / ((1 / re1) - (1 / re2))))) - (rt1 + rt2)) / 2
r1 = 1 / ((1 / re2) - (1 / (r2 + rt2)))
Ach ja, die Berechnung: die habe ich in
ein kleines Q-Basic Programm "bruecke.bas"
beigepackt, bin ja kein Unhold! Nur hoffe ich, daß bei Dir, geschätzter
Downloader, noch irgendwo ein Q-Basic-Interpreter (z.B. aus DOS
6.22 oder
von der Win95 CD, schon etwas versteckt im Verzeichnis "others")
aufzutreiben ist.
Wie? Nichts mit Basic am Hut? Voila: hier das compilierte DOS-Programm
"bruecke.exe" .
Auch die EXCEL-Freunde habe ich nicht vergessen: "bruecke.xls" (ab EXCEL 5.0) und "bruecke4.xls" (EXCEL4.0) enthält alles: Berechnung, Schaltplan usw.
Dem geneigten Bastler, der nicht ganz unerfahren in Schaltungstechnik sein sollte, wünsche ich viel Spaß beim Verkabeln, Löten und Feinjustieren! Da fällt mir ein: Das Ganze hat mich schon wieder vom Surfen abgehalten! (Mal ehrlich: war doch einiges produktiver oder etwa nicht?)
Noch Fragen offen? Oder irgendwelche
Vorschläge zum Thema?
Dann bitte nicht zögern und ab die
Mail an Reinhard
Lucht !