Religionsprojekt "Kirchengeschichte"
Martin Luther
Martin Luther wurde im Jahre 1483 in Eisleben in Thüringen geboren. Er sollte nach dem Wunsch
seines Vaters eine juristische Laufbahn einschlagen. Er beendete im Jahre 1505 sein 1501
begonnenes Grundstudium der freien Künste mit der Promotion zum Magister artium (lat. Lehrer der
Künste, heute Hochschulabschluß in geisteswissenschaftlichen Fächern) und begann ein Jurastudium,
das er jedoch noch im selben Jahr abbrach um bei den Augustinern das Mönchsgelübde abzulegen.
Im Kloster wurde seine theologische Karriere gefördert, und dank seiner großen Begabung wurde er
bereits 1512 zum Professor für Bibelkunde an der kursächsichen Universität in Wittenberg. Nach
seiner Abkehr vom weltlichen Leben beschäftigte er sich vor allem mit der Frage, wie der Mensch als
Sünder an der Gnade Gottes teilhaben könne. Die erstrebte persöhliche Heilsgewißheit brachten ihm
jedoch weder die Sakramente der Kirche noch die mönchische Askese.
Die Lösung seines Problemes glaubte er im Römerbrief des Apostel Paulus (Römer 1, Vers 16ff.):
Der Mensch wird allein aus seinem Glauben an Gott und die Gerechtigkeit gerettet.
Diese Erkenntnis, die den Kern Luthers "Rechtfertigungslehre" darstellt, hatte weitreichende
Auswirkungen, da sie den Nutzen von Wallfahrten und Ablaßbriefen in Frage stellte.
Darüber hinaus war auch die Rolle der Kirche als Vermittler des Glaubens hinfällig, da nach
Meinung Luthers das Evangelium die einzig wahre Heilsquelle war, und nicht die theologischen
Auslegungen und päpstlichen Dekrete.
Martin Luther geriet mit der Kirche in Konflikt, als sein Gesuch nach Sündenbuße mit dem Hinweis
auf bereits erstandene Ablaßbriefe abgelehnt wurde. Als Reaktion darauf verfaßte er am 31 Oktober
des Jahres 1517 seine "95 Thesen zum Ablaß", die er sowohl seinem Ortsbischof als auch Albrecht
von Brandenburg in Form eines Briefes zukommen ließ. Als eine Antwort ausblieb übersetzten Freunde
Luther dessen bisher im Lateinischen vorligende Thesen, die ursprünglich als Ansatz zu einer Gelehrten
Diskussion gedacht waren, ins Deutsche. Dies und die zu dieser Zeit beginnende Buchdruckerkunst
machten sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Reaktion des Papstes Leo X
war ein im Jahre 1518 eröffneter Ketzerprozeß, der allerdings aus politischen Gründen vom
Papst verzögert wurde. Für den Papst hatte nämlich das Ansinnen vorrang, den sächsischen Kurfürsten
Friedrich den Weisen (ein Anhänger Luthers) für den von ihm unterstützen Kandidaten für die
anstehende Wahl des deutschen Kaisers, den französischen Monarchen Franz I, gewinnen. Während
dieser "Atempause" entwickelte Luther seine Theologie weiter und machte sie allgemein bekannt.
So schrieb er im Jahre 1520 unter anderem:
"Von der Freiheit eines Christenmenschen", "Über die babylonische Gefangenschaft der
Kirche" und "An den christlichen Adel deutscher Nation"
Mit seiner Aufforderung "An den christlichen Adel deutscher Nation", ein Konzil zur Reform der
Kirche einzuberufen, wird Luther endgültig zum Feind des Papsttums und anfang 1521 aus der
römischen Glaubensemeinschaft ausgestoßen.
Trotz der Gegenwehr des Papstes kam es zu einer Spaltung des Reiches.
Zudem wurde Martin Luther damit zum Begründer der Reformation, die später von Jean Calvin
fortgeführt wurde.
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© 28.6.1997 by Steffen Holzmann