Charles Babbage und das Prinzip der "analytical maschine"
 
Kurz nach 1870 begann vor allem in Deutschland und den USA der Aufbau der industriellen Produktion von Rechen-maschinen.
Warum wurden Rechenmaschinen nur relativ langsam zu Hilfsmitteln bei der täglichen Rechenarbeit? Es gab dafür zwei Gründe: Der eine lag in den bereits erwähnten techni-schen Problemen bei der feinmechanischen Fertigung, der andere betrifft die Logarithmen. Logarithmen führen die Multiplikation auf die Addition zurück. Und da eine Logarith-mentafel nur aus einem mehr oder weniger umfangreichen Buch besteht, setzte sich ihre Anwendung in der Praxis sehr schnell durch .Man sah lange Zeit keinen zwingenden Grund, das Buch durch eine schwierig herzustellende Maschine zu ersetzen. Der Rechenschieber, ein mechanisches Logarith-musgerät, ersetzte dem Ingenieur die Logarithmentafel und bedeutete eine Verkleinerung, Miniaturisierung des Hilfs-mittels Logarithmentafel.
    Tafeln dieser Art, die durch die geforderte Genauigkeit sehr umfangreich sein können, müssen natürlich zunächst berech-net werden. Dabei zeigte sich, daß sowohl bei der Berechnung als auch beim späteren Drucksatz Fehler nicht auszuschließen waren.
    Ausgehend von diesem Problem hatte der englische Mathe-matiker Charles Babbage (1792-1871) die Idee, Tabellen-berechnungen mit Hilfe einer Maschine auszuführen. 1822 stellte er das Modell einer druckenden Differenzenrechen-maschine fertig. Während ihrer langwierigen Herstellung ent-wickelte Babbage konzeptionell neue Gedanken über die Funktion von Rechenmaschinen.

Charles Babbage und Konrad Zuse
Während der sich über ein Jahrzehnt hinziehenden Arbeiten an seiner Differenzenmaschine entwickelte Babbage deren Möglichkeiten gedanklich weiter. Als bedeutender Mathema-tiker seiner Zeit war er mit dem Stand der Wissenschaft ver-traut, mit den mathematischen Methoden und mit der Astro-nomie. Aus diesen Kenntnissen heraus entwickelte er die Vorstellung einer automatisch arbeitenden Rechenmaschine.

,,Anaiytical Engine"von Babbage

Das Konzept seiner ,,Analytical Engine" umfaßt die wesentli-chen Teile unserer heutigen Computer: Recheneinheit, Spei-cher, Eingabe- und Ausgabeeinheit sowie die Verarbeitungs-vorschriften, die man heute als Programme bezeichnet. Für das Zusammenwirken dieser Einheiten sah Babbage eine Steuereinheit vor. Dabei dachte er daran, die Lochkarten des Webstuhls von J. M. Jacquard (1752-1834) zu benutzen.
    Dieser Rechenautomat sollte alle vier mathematischen Berechnungen mit Hilfe von Programmen ausführen kön-nen: Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Babbages Ziel war es vor allem, die Berechnungen fehlerfrei zu machen und zu beschleunigen.
    Er war jedoch - nach den Erfahrungen mit seiner Differen-zenmaschine - nicht in der Lage, die für den Bau der neuen Maschine erforderlichen Gelder zu beschaffen. Andererseits waren die zeitgenössische Feinmechanik und der Kenntnisstand der Ingenieurwissenschaften nicht so weit entwickelt, daß dieser Rechenautomat hätte gebaut werden können.
    Wie schon angedeutet, arbeitete man an mehreren Orten Europas intensiv an der Verwirklichung von Rechenmaschi-nen. Das ,,Arithmometre" von Charles Xavier Thomas wurde dabei zum Vorreiter.
    Die fortschreitende Industrialisierung führte zu einem sich schnell ausweitenden Welthandel. In Verbindung damit entstanden Dienstleistungsunternehmen, insbesondere Ver-sicherungen und Banken. Trotzdem ergaben sich die Vor-aussetzungen für eine maschinelle Datenverarbeitung in unserem heutigen Sinne erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts, und dies auf einer gänzlich anderen Grundlage.
    Bevor auf diese Entwicklung eingegangen wird, ist es sinn-voll, einen großen zeitlichen Sprung in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts zu machen und die Vielzahl der Bemühungen um das automatisierte Rechnen in den dazwischen liegenden Jahrzehnten zu überspringen.
 
 

 
 
 

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