Rev. June 21 1997 / Meyer's private site 'halfab' / UdoMeyer@swol.de


Chi im Käfig (JPEG, 24.2 KB)

Was ist ein Chinchilla?
Chinchilla sind kleine Nager. Sie werden auch fälschlicherweise als 'Hasenmaus' bezeichnet, aber sie gehören weder zu den Hasen noch zu den Mäusen. Ihre Heimat war Südamerika, doch dort sind sie fast vollständig ausgerottet. Chinchilla sehen possierlich aus und haben ein seidenweiches Fell, das diesen Lebewesen auf den Leib geschneidert und zu schade für einen Mantel ist. Sie besitzen längere Hinterläufe mit denen sie eine rasante Beschleunigung und hohes Tempo erzielen und erstaunliche Sätze und Sprünge vollführen. Ihre kleineren Vorderläufe setzen sie auch als Hand ein. Sie sind neugierig, zutraulich und manchmal sogar folgsam. Chinchilla sind dämmerungsaktiv und sie leben relativ lange.
Chi beim Kuscheln (JPEG, 26.9 KB)
Was macht sie glücklich?
Chinchilla lieben Streicheleinheiten, Auslauf, Staubbäder und nutzen jede Möglichkeit zum Beknabbern aller möglichen Dinge die ihnen vor die Nase kommen. Deshalb brauchen sie einen großen Käfig und täglichen Auslauf. Anschließend ist ein ausgiebiges Bad in feinstem Steinstaub fällig, um das Fell zu pflegen. Vogelsand und ähnliches ist ungeeignet, weil dadurch das Fell geschädigt wird. Für die Fellpflege gibt es spezielle Kämme. Diese besitzen jedoch äußerst spitze Zähne. Der Umgang damit ist nicht jedermanns Sache. Darf das Tier aber mehrmals täglich Staubbaden, so ist der Kamm nicht unbedingt nötig. Der Käfig ist mit Holzspänen auszustreuen. Das Tier benutzt meistens die gleiche Ecke zum urinieren, diese sollte deshalb besonders dick mit Holzspänen bedeckt und öfters gereinigt werden. Ein ausreichend großes Schlafhäuschen darf ebenfalls nicht fehlen. Der Käfig sollte Sitzbretter in verschiedenen Höhen haben. Chinchilla können nämlich klettern, besser als man es ihnen zutraut. Zur Zahnpflege braucht ein Chinchilla einen Nagestein und Äste, weil die Zähne nachwachsen und abgenutzt werden müssen, sonst werden sie zu lang und das Tier kann nicht mehr fressen. Die Äste müssen harzfrei und trocken sein. Weidenäste sind gut geeignet. Zufriedenheit wird durch leise Quitschlaute oder belustigende Sprünge direkt aus dem Stand geäußert. Durch Nachahmen der Laute kann man das Tier beruhigen und auch locken. Der Kontakt zum Menschen wird durch dezente Kontaktbisse gefestigt. Man sollte sich darauf gefasst machen, denn dabei spürt man die scharfen Zähne sehr deutlich. Das Tier beisst aber nicht zu. Zum Vergleich sollte man beobachten wie leicht das Chinchilla einen Nagestein zerkleinert.

Was macht sie unglücklich?
Störungen zur Schlafenszeit, also am Tag! Das Tier braucht tagsüber einen ruhigen Platz. Hitze mag der Kleine nicht so besonders und Zugluft kann gefährlich werden. Hetzen und jagen verstört das Tier. Das Einfangen in der Anfangszeit muss also behutsam erfolgen, was wegen ihrer schnellen Spurts nicht ganz einfach ist. Eine Decke, mit der man ihnen den Weg abschneidet ist hier eine gute Hilfe. Die Tiere sollten nicht am Schwanz gehalten werden. Sie lassen sich mit beiden Händen greifen und halten. Später, wenn der kleine Kerl weiss wo sein Heim steht, bekommt man ihn auch dazu selbst hineinzuspringen. Unmutsäußerungen bestehen aus einem kräftigen Laut, welcher einem Bellen nicht unähnlich ist. In schlimmeren Fällen kneift ein Chinchilla auch ordentlich zu. Wenn sich das Tier nicht wohl fühlt, kann sich das auch durch Fellbeissen äußern.

Was ist für sie eine Gefahr?
Die Neugier unseres kleinen Freunds ist gleichzeitig eine große Gefahr. Kabel aller Art verlocken zum knabbern, was leicht tödlich ausgehen kann. Tödlich für das Tier und genauso auch eine Gefahr für den Menschen. Jede unbekannte Stelle und Ecke im Raum ist eine Verlockung, ganz besonders dann, wenn man das Chinchilla nachdrücklich von einer Stelle wegdrängt. Achtet man beim Auslauf nicht auf das Tier, dann besteht die Möglichkeit, daß es vielleicht in einer Blumenvase oder im Putzeimer ertrinkt. Auch ein nasses Fell ist eine Gefahr. Das Tier muss sofort mit einem Handtuch vorsichtig abgetrocknet werden und ein ausgiebiges Staubbad nehmen.

Was brauchen sie als Futter?
Gutes Heu ist der Hauptgang. Zusätzlich braucht ein Chinchilla Spezialfutter, sogenannte Pellets. In diesen ist vieles enthalten was das Tier braucht. Ungeeignet , ja gefährlich, sind Futtermischungen für Hasen, Meerschweinchen oder Hamster. Als Zugabe ist Grünfutter notwendig, doch davon nicht zuviel. Ein Salzleckstein und Zusätze mit Mineralien sind ebenfalls wichtig. Leckereien, wie Haselnüsse, Rosinen oder ein kleines Stück einer Salzstange dürfen nur äußerst sparsam gegeben werden. Dabei muss man hart gegen sich selbst sein, denn sie können ungemein gut betteln. Zusätzlich kann auch ein Stück hartes Brot, ein kleines Stück Apfel, Banane, Karotte oder eine ungekochte Nudel gereicht werden. In Gefangenschaft braucht das Tier eine Tränke. Gut geeignet sind Hamstertrinkröhren aus Glas, da diese gut gereinigt werden können. Wichtig: Chinchilla haben ein anfälliges Verdauungssystem. Falsche Ernährung führt schnell zu Verstopfung oder Durchfall und gefährdet das Leben des Tieres. Bei den ersten Anzeichen ist sofort zu handeln. Bei Anzeichen von Verstopfung oder Durchfall hat sich als erste Maßnahme die Gabe von circa einer Messerspitze 'Karlsbader Salz', aufgeloest im Trinkwasser, bewährt. Sollte innerhalb der folgenden 3 bis 4 Tage keinerlei Besserung sichtbar sein so ist dringend der Tierarzt aufzusuchen. Die Tiere können nicht alle Stoffe im ersten Durchgang aufschließen. Deshalb fressen sie manche Kotballen noch einmal. Dieser Vorgang ist absolut lebenswichtig und darf nicht falsch verstanden oder dem Tier gar nachdrücklich abgewöhnt werden, sonst würde es langsam und qualvoll verhungern. Ob das Tier gesund ist läßt sich unter anderem an der Qualität der Kotballen ablesen.

Für wen ist ein Chinchilla ungeeignet?
Beim Baden und beim Auslauf wird der Steinstaub weit verteilt. Eine Katastrophe für alle putzwütigen Hausfrauen und -männer. Bei seinen Exkursionen läßt das Tierchen auch ständig Kotballen fallen. Diese sind jedoch bei einem gesunden Tier von fester Konsistenz und können problemlos mit Staubsauger und Besen beseitigt werden. Doch ab und zu lässt es auch seinen Urin zurück. Chinchilla sind also nicht stubenrein. Kritisch ist auch die Neigung des Tieres alles zu beknabbern. Dabei bleibt nichts verschont und Bücher, Holzmöbel und Tapeten leiden besonders. Ein Chinchilla ist ein agiles Tierchen, man sieht es hier, doch schon ist es dort. Vernachlässigt man die Aufsicht beim Auslauf, dann hat das Tier schnell seine Spuren hinterlassen. Ein Chinchilla mag zwar gern gestreichelt werden und kuschelt auch gern einmal für ein paar Minuten, doch es ist kein reinrassiges Schmusetier und durch die Lebenszeit von weit mehr als zehn Jahren geht man eine lange Bindung ein.

In jedem Fall sollte vor der Entscheidung für ein Chinchilla ein Buch über die Haltung als Haustier gelesen werden.


Equipment: NeXTstation color, OPENSTEP 4.0

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